Folgendes eMail habe ich auf meinen Newsletter vom 26. Juli 2026 erhalten:
«Guten Abend Herr Schudel,
ich kann nur bestätigen bezüglich Medikamenteneinnahme und die Belastung dadurch für den Körper.
Ich arbeite in der Alterspflege (bin aber „nur“ eine Pflegassistentin).
Unsere Bewohner werden regelrecht abgefüllt mit Medikamenten für verschiedene gesundheitliche Probleme, sei es auch nur weil das eine Medikament unangenehme Nebenwirkungen hat und man dann diese mit einem anderen Medi mildern will!
Einmal habe ich morgens die Medikamente einer Bewohnerin gezählt, sage und schreibe 12!! Stück, dann gibt es manchmal am Mittag erneut eine Portion und abends nochmals!
Geschweige dann noch die jährlichen Grippeimpfungen, Covidspritze kommt dann noch dazu. Zum Glück gibt es auch Bewohner die noch allein entscheiden können ob sie sich diese Impfungen wirklich antun wollen!
Es ist sehr traurig und erschreckend was mit hilflosen Menschen gemacht wird! Eine über 90 Jahre liebenswerte alte Dame welche fast nichts mehr hört und sehr schlecht sieht, leider auch noch an Hautkrebs erkrankt ist, ihre Familie entschied dass sie diese Imfungen benötigt.
Wenn dann noch eine Demenzerkrankung dazu kommt ist der Mensch der bei uns ins Heim eintritt innert kürzerster Zeit fast nicht mehr in eine gute Richtung zu führen weil eben die einzige Behandlung nur aus Medikamenten besteht!
Ein einigermassen gutes Beispiel gibt es jedoch, vor einer Woche wurde eine über 100 Jahre alte Dame von den Altersbeschwerden erlöst, sie war eine starke Frau, eine Kämpferin, jeden Tag ist sie auf dem Gang mit ihrem Rollator unterwegs gewesen, als es ihr noch besser ging sogar noch alleine nach draussen, sie war auch immer sehr dankbar für ein wenig Zeit die man ihr wenn möglich widmen konnte, wollte uns nie zur Last fallen und hat sich sehr selten mit der Klingel gemeldet, ich habe ihr immer wieder gesagt, dass sie sich melden soll wenn sie Hilfe braucht, auch sie habe ein Anrecht auf Pflege usw.!
Eine zweite Dame 98 jährig, kann zwar nicht mehr auf ihren Beinen stehen, sie bewegt sich mit den Armen im Rollstuhl vorwärts, ist aber ebenso wie die erstgenannte Frau eine starke und eigenwillige Persönlichkeit, sie nimmt nur falls nötig ein Schmerzmedi, aber in der Regel verweigert sie die Einnahme, sie hat „lieber“ Schmerzen könnte man meinen!
Herr Schudel ich hoffe Sie nehmen es mir nicht übel aber ich „musste“ dass jetzt schreiben.
Vielen Dank dass Sie Menschen mit Ihrem Wissen und wertvollem Rat eine Hilfe sind!
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochende und viel Freude bei dem was Sie tun.
Herzliche Grüsse
Caroline M.
Meine Antwort:
«Guten Tag Frau M.
Vielen Dank für Ihre Nachricht. Es erreichen mich immer wieder ähnliche Rückmeldungen – und sie zeigen, wie viele Menschen im Gesundheitswesen Dinge beobachten, die im Alltag oft übersehen werden.
Viele Pflegefachpersonen erleben die Betroffenen näher, länger und direkter als Ärztinnen und Ärzte. Dadurch entsteht ein Wissen, das in keinem Lehrbuch steht: das Wissen über den Menschen, nicht nur über Diagnosen.
Auch in meiner eigenen Familie habe ich erlebt, wie schwierig es sein kann, Entscheidungen über Medikamente, Eingriffe oder Impfungen zu treffen – besonders dann, wenn Angst, Unsicherheit oder unterschiedliche Überzeugungen im Raum stehen.
Was ich aus all diesen Erfahrungen gelernt habe: Der Körper reagiert nicht zufällig. Und er lässt sich nicht überreden.
Genau deshalb versuche ich in meiner Arbeit, meinen Leserinnen, Abonnentinnen und Klientinnen verständlich zu machen, wie ein System reagiert, warum es überlastet und was es braucht, um wieder stabiler zu werden.
Es gelingt nicht immer, Menschen zu erreichen – aber jede Person, die beginnt, ihren Körper zu verstehen, macht einen entscheidenden Schritt in Richtung Eigenverantwortung und Stabilität.
Freundliche Grüsse
André Schudel»