Langlebigkeit heisst heute ja so schön ‚longevity‘, der neuste Trend. So haben sich viele auf ‚longevity‘ spezialisiert und verkaufen Nahrungsergänzungsmittel und Gerätschaften (z.B. damit man Sauerstoff inhalieren kann), die nichts taugen, aber teuer sind. Ärzte, die Schönheits-Operationen durchführen gehören sowieso dazu.
Doch was ist der tatsächliche Feind, der uns nicht alt lassen werden will?
Der britische Immunologe William Frankland – er wurde 108 – überlebte die japanische Gefangenschaft, veröffentlichte Artikel nach seinem 100. Lebensjahr und behandelte immer noch Patienten in diesem Alter. Als man ihn nach dem Geheimnis der Langlebigkeit fragte, antwortete er lediglich: Nicht abschalten.
Eine klinische Psychologin mit 20 Jahren Erfahrung sagte: „Was ich am häufigsten sehe, ist nicht das Altern. Es ist der Moment, in dem die Person innerlich kapituliert.“ Die Entfremdung altert schneller als die Zeit. Nicht wenn du 60 wirst, sondern wenn du aufhörst zu lernen, das Interesse an dir selbst verlierst, dich nicht mehr nützlich fühlst und anfängst, auf Autopilot zu leben. Das Nervensystem merkt es: Die Energie sinkt, der Schlaf verschlechtert sich, der Körper schaltet in den Sparmodus.
Die meisten Menschen nehmen nicht wahr, wann sie sich abkoppeln. Es ist keine klare Entscheidung. Es geschieht allmählich. Die Routine wird automatisch. Die Arbeit wird zur Pflicht. Die Beziehungen werden zur Gewohnheit. ‚Und eines Tages bist du in allem, aber wirklich in nichts‘. Es ist keine klinische Depression. Es ist das System, das ohne ausreichenden Zweck läuft, um eine echte Aktivierung aufrechtzuerhalten.
Das Gegenteil passiert ebenfalls. Wenn es Aufgaben, Verpflichtungen, echten Kontakt gibt, aktiviert sich der Vagusnerv, der Stress nimmt ab, der Körper stabilisiert sich. Das Immunsystem reagiert anders. Frankland behandelte Patienten bis zum 100. Lebensjahr nicht wegen Geld, sondern aus Sinnhaftigkeit. Das ist keine Motivation. Das ist Biologie.
Du alterst nicht wegen des Datums im Kalender. Du alterst, wenn du aufhörst, etwas zu brauchen, das nur du tun kannst. Sinn, um zu leben.
Die Frage, die immer wieder auftaucht, wie wichtig ist die Ernährung? Nun, die Ernährung ist wichtig, damit wir überhaupt so alt werden können. Wer seinen Körper bereits früher in den Tod ‚frisst‘ und mit Medikamenten nachhilft, wird kaum ein hohes Alter erreichen.