Blutdrucksenker – Wie wirken sie wirklich?
Blutdrucksenker (Antihypertensiva) sind eine grosse Medikamentengruppe. Sie senken den Blutdruck, indem sie Gefässe erweitern, Herzarbeit reduzieren oder Flüssigkeit aus dem Körper ausscheiden.
Wirkmechanismen (vereinfacht)
- ACE-Hemmer / AT1-Blocker: entspannen die Blutgefässe → Blutdruck sinkt.
- Betablocker: Herz schlägt langsamer und mit weniger Kraft.
- Kalziumkanalblocker: Gefässe weiten sich, Herz wird entlastet.
- Diuretika: Körper scheidet mehr Wasser/Salz aus → weniger Blutvolumen.
Vorteile
- Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall
- Entlastung von Herz und Gefässen
- Langfristige Senkung des kardiovaskulären Risikos
Nachteile / Nebenwirkungen
- Schwindel, Müdigkeit
- Elektrolytstörungen (v. a. bei Diuretika)
- Trockener Husten (ACE-Hemmer)
- Kalte Hände/Füße, langsamere Herzfrequenz (Betablocker)
- Weitere Nebenwirkungen können Sie im Beipackzettel lesen.
Blutverdünner – „Verdünnen“ das Blut nicht!
Blutverdünner ist ein umgangssprachlicher Begriff. Sie machen das Blut NICHT dünner, sondern hemmen die Blutgerinnung, damit keine gefährlichen Blutgerinnsel entstehen.
Wirkmechanismen
- Antikoagulantien (z. B. DOAKs, Heparin): bremsen Gerinnungsfaktoren.
- Plättchenhemmer (z. B. Aspirin): verhindern das Verklumpen von Blutplättchen.
Vorteile
- Schutz vor Schlaganfall, Herzinfarkt, Thrombosen
- Lebenswichtig bei Vorhofflimmern, künstlichen Herzklappen, nach Stents
Nachteile / Nebenwirkungen
- Erhöhtes Blutungsrisiko, Magen-Darmblutungen u.a. (grösste Gefahr)
- Blaue Flecken, Nasenbluten
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
- Weitere Nebenwirkungen können Sie im Beipackzettel lesen.
Cholesterinsenker – Wie senken sie Cholesterin?
Die bekanntesten Cholesterinsenker sind Statine. Sie blockieren ein Enzym in der Leber, das Cholesterin herstellt → LDL („schlechtes Cholesterin“) sinkt.
Wirkmechanismen
- Statine: hemmen Cholesterinproduktion in der Leber.
- Ezetimib: verhindert Cholesterinaufnahme im Darm.
- PCSK9-Hemmer: erhöhen LDL-Abbau im Blut.
Vorteile
- Senken LDL oft sehr stark
- Reduzieren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
- Besonders wirksam bei familiär erhöhtem Cholesterin
Nachteile / Nebenwirkungen
- Muskelbeschwerden
- Leberwertveränderungen
- Selten: starke Muskelschäden
- Weitere Nebenwirkungen können Sie im Beipackzettel lesen.
Hinweis: Alle diese Medikamente verhindern jedoch keinen Herzinfarkt oder Hirnschlag. Die Ursachen einer Verengung (Verstopfung) der Blutgefässe (Arteriosklerose), durch Fette, Cholesterin, Kalk, Verschleimung und andere Substanzen, werden damit nicht behoben. Patienten sitzen somit auf einem Pulverfass, das jederzeit explodieren kann.
Die einfachste Lösung: gesunde Ernährung, Bewegung und Stress minimieren. Beispiel: Gemüse täglich dient als normaler Blutverdünner. Da das aber den Patienten zu kompliziert ist – schlucken sie Medikamente.
Und so sieht der Alltag aus:
Polymedikation – Ein Medikament kommt selten allein
Der Wecker klingelt: 7:00 Uhr. Ein ganz normaler Morgen für den 1950 geborenen Hans Meyer. Beim Gang in die Küche schmerzen ihm nicht nur die Glieder; es ist auch dieser schwere Kopf, der ihm täglich zu schaffen macht. „Irgendwann muss das doch besser werden mit der ganzen Medizin …“ denkt er und gönnt sich zum Frühstück einen erfolgversprechenden Tabletten-Cocktail, „… zum Glück habe ich um 8:00 Uhr einen Termin bei Dr. Tiedemann.“
Herr Meyer hat nie geraucht, Diabetiker ist er auch nicht, lediglich einen erhöhten Blutdruck (160 / 90 mm Hg) hat sein Hausarzt schon vor 27 Jahren festgestellt, wogegen er seit eh und je ein Diuretikum (Wirkstoff: Furosemid) einnimmt.
Bei einer Kontrolluntersuchung vor ein paar Jahren fielen Dr. Tiedemann zudem erhöhte Cholesterinwerte ins Auge (> 6 mml / L); so kam zum Diuretikum noch ein cholesterinsenkendes Statin (Wirkstoff: Simvastatin) hinzu. Irgendwie hat sich Herr Meyer keine weiteren Gedanken darüber gemacht, viele seiner Bekannten nehmen schon seit Jahren cholesterinsenkende Mittel ein.
Auch der Arzt wirkte routiniert und ruhig bei der Besprechung seiner Blutwerte. Nur zur Sicherheit, da Herr Meyer mit seinen erhöhten Blutdruck- und Cholesterinwerten in eine im Lehrbuch definierte Risikogruppe fällt, wird ihm noch Acetylsalicylsäure (ASS) zur Herzinfarkt- und Schlaganfallprophylaxe verschrieben. ASS kann zu Magen- und Schleimhautschädigungen führen, weshalb auf dem Rezept auch noch ein Protonenpumpeninhibitor steht (PPI, Wirkstoff: Omeprazol). Hans Meyer befindet sich seither in einer engmaschigen Kontrolle, dennoch fühlt er sich antriebslos, krank und traurig.
Erklärungen
- Diuretika (aus dem Griechischen: „harntreibend“, „harnflutanregend“) senken den Blutdruck durch eine erhöhte Ausfuhr von Wasser. Gleichzeitig werden aber auch wichtige Vitalstoffe ausgeschwemmt, vor allem Zink, Magnesium und B-Vitamine. Im Fall von Herrn Meyer seit ganzen 27 Jahren!
- Statine senken den Cholesterinspiegel. Aus urheimischer Sicht ist das unnötig, denn nur oxidiertes und somit „ranziges“ Cholesterin ist eine Gefahr für uns, nicht aber die Menge des Cholesterins (siehe hier). Wer seinen Cholesterinspiegel künstlich senkt, der nimmt dem Körper gleichzeitig die Vitamin-D-Vorstufe und hemmt somit den Einbau von Kalzium in die Knochen. Vielleicht sind die Statine schuld, dass Hans Meyer nur schwer aus dem Bett kommt? Eine von vielen Nebenwirkungen der Statine ist auch der Zerfall der Muskelfasern (Rhabdomyolyse). Dass die Risikoreduktion für kardiovaskuläre Ereignisse durch Statine nur 1,1 % beträgt, weiss Dr. Tiedemann wahrscheinlich gar nicht.
- ASS hat eine antithrombotische Wirkung. Die Bildung von Thromboxan wird gehemmt, wodurch sich die Blutplättchen nicht mehr zusammenballen können. Gleichzeitig schwindet jedoch auch der körpereigene Schutz der Magenschleimhaut vor der Magensäure. Es kommt zu Magen- und Schleimhautschädigungen und einem stark erhöhten Risiko von Magenbluten. Das weiss Dr. Tiedemann immerhin und handelt durch das Verschreiben von PPI.
- PPI gleichen die Nebenwirkungen von ASS durch eine gehemmte Magensäureausschüttung aus. Doch fehlt nun nicht nur die Magensäure, sondern auch der gleichzeitig freigesetzte intrinsic factor (IF). Dieser ist essentiell für die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung. Die an den sauren pH-Wert gekoppelte Aufnahme von Kalzium wird ebenfalls reduziert, was auf Dauer zu Osteoporose führt.
- Aktuellen Studien nach führen zudem jegliche Medikamente zu einer Veränderung der Darmflora und damit zu einer Dysbiose mit entsprechenden Folgen (siehe Urheimische Notizen 01/2016).
Ist Hans Meyer so niedergeschlagen, weil er all das weiss? Sicherlich nicht, schliesslich vertraut er Dr. Tiedemann und dessen Kollegen! Vielmehr mangelt es ihm aufgrund des täglichen Medikamenten-Cocktails an wesentlichen natürlichen Gemütsaufhellern wie Vitamin D und Vitamin B12: Die Statine reduzieren das Cholesterin, die Vorstufe von Vitamin D, die Vitamin B12-Aufnahme ist durch PPI gehemmt, und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird zudem durch die harntreibenden Diuretika ausgeschwemmt. Der Homocysteinspiegel steigt.
Das betrübte Gemüt von Herrn Meyer ist also eine durch Polymedikation bedingte Mangelerscheinung. Und was sagt Dr. Tiedemann bei dem 8:00 Uhr-Termin dazu? Statt der Ursache behandelt er das Symptom und schickt Herrn Meyer mit dem Rezept für ein hochselektives Antidepressivum (Wirkstoff: Citalopram) nach Hause. Es handelt sich um Medikament Nummer 5 auf der täglichen Liste. Und was verursacht dieser serotoninhemmende Wirkstoff? übelkeit, Erbrechen, Schweissausbrüche, einen trockenen Mund … Grund genug für Dr. Tiedemann, die Medikation künftig um drei weitere Medikamente aufzustocken.
Quelle des Artikel mit Herrn Meyer: urheimische-notizen.de