SSRIs, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, wurden als Wundermittel verkauft, winzige Pillen, die einen „chemischen Ungleichgewicht“ „korrigieren“ und die Menschen zurück zur Glückseligkeit führen würden.
Es gibt nur ein Problem: Die Theorie des „chemischen Ungleichgewichts“ wurde von vornherein nie abschliessend bewiesen.
Dennoch wurden Millionen Menschen über Jahre, manchmal Jahrzehnte hinweg Medikamente verschrieben, die die Serotonin-Signale verändern, oft mit wenig Warnung darüber, was passiert, wenn man versucht aufzuhören. Und das Aufhören kann brutal sein.
Patienten beschreiben Hirnzaps, Panikattacken, emotionalen Zusammenbruch, Schwindel, Schlaflosigkeit, Dissoziation und Wellen von Depressionen, die weit schlimmer sind als die Symptome, die sie überhaupt erst zu den Medikamenten geführt haben.
Über Jahre hinweg hat ein Grossteil der Psychiatrie das als „Rückfall“ abgetan. Heute geben sogar etablierte Forschungen zu, dass der Entzug von Antidepressiva schwerwiegend, langwierig und psychisch destabilisierend sein kann.
Was immer schwerer zu ignorieren wird, ist, dass SSRIs Menschen nicht unbedingt glücklicher machen. Viele Anwender berichten das Gegenteil: emotionale Abstumpfung, nicht Traurigkeit, nicht Freude, nur Leere.
Eine wachsende Zahl von Studien zeigt, dass 40–60 % der SSRI-Nutzer irgendeinen Grad an emotionaler Abstumpfung erleben, bei dem Freude, Aufregung, Liebe, Motivation und sogar Trauer gedämpft werden.
Die Medikamente mögen emotionale Tiefs mildern, aber oft, indem sie auch die Höhen abschleifen. Das ist keine emotionale Gesundheit.
Das ist chemische Dämpfung. Und je länger jemand SSRIs nimmt, desto mehr passt sich das Gehirn an die ständige Präsenz des Medikaments an.
Forscher weisen zunehmend auf Neuroadaptation hin, Veränderungen in der Rezeptorsensitivität und Serotonin-Signalen, als einen Grund dafür, warum der Entzug so schwierig und langwierig werden kann.
Das Gehirn richtet sich um das Medikament herum ein, und wenn das Medikament verschwindet, kämpft das Nervensystem darum, sich neu einzustellen. Deshalb fühlen sich viele Menschen nicht „süchtig“ nach SSRIs im klassischen Sinne, finden sich aber dennoch unfähig, aufzuhören, ohne in Entzugssymptome abzurutschen, die für eine Rückkehr psychischer Erkrankungen gehalten werden.
Nichts davon bedeutet, dass Antidepressiva niemandem je helfen. Für manche Menschen in akuter Krise können sie absolut hilfreich sein. Aber der Öffentlichkeit wurde ein vereinfachtes Märchen verkauft: niedriges Serotonin gleich Traurigkeit, Pille gleich Glück; die Realität ist komplizierter.